In 2021 wurden Fans von Overwatch dadurch überrascht, dass Game Director Jeff Kaplan plötzlich seinen Posten aufgab und Blizzard Entertainment verlassen hat. In einem in dieser Woche veröffentlichten Interview in dem Lex Fridman Podcast sprach der Spieleentwickler nun endlich offen über die Hintergründe dieser Entscheidung. Ein wichtiger Faktor dahinter war wohl die mittlerweile eingestellte Overwatch League. Viele Leute hatten enorme Summen in diese komplett überhypte Liga gesteckt, weshalb die Entwickler dazu gedrängt wurden die Overwatch League dauerhaft mit Inhalten/Merch zu versorgen. Dadurch verzögerten sich eigentliche geplante Neuerungen für das Spiel und Kaplan verlor so langsame die Kontrolle über sein Team.
„Where it got away from us is that there was a lot of excitement about Overwatch League, like too much. It got overmarketed to the people buying the teams. … And so all your plans [for Overwatch content] at that point kinda go out the window,“ – Kaplan
Auch wenn die Overwatch League einen Stressfaktor darstellte, so war der wirklich ausschlaggebende Moment für Kaplans Austritt bei Blizzard aber wohl ein in 2020 erfolgtes Gespräch mit dem damaligen CFO von Activion Blizzard. Jeff Kaplan zufolge hat der CFO ihm gesagt, dass Overwatch in 2020 eine gewisse Menge an Geld einnehmen muss und das Unternehmen in den folgenden Jahren ebenfalls eine gewisse Summe an Gewinnen erwartet. Sollte das Spiel diese Ziele nicht erfüllen können, dann würde die Firma an die 1000 Mitarbeiter entlassen. Die Schuld für diese „unnötigen“ Kündigungen würde dann bei Kaplan liegen.
“What ultimately broke me and my Blizzard career was I got called into the CFO’s office and he sits me down and he says, he gives me a date, which at the time was 2020, and was going to slip to 2021, but at the time it was 2020, and he said, ‘Overwatch has to make [bleep] in 2020, and then every year after that it needs a recurring revenue of [bleep]’ and then he says to me ‘if it doesn’t do [bleep] we’re going to lay off 1,000 people, and that’s going to be on you. And that was the biggest fuck you moment I’ve had in my career, it felt surreal to be in that condition.” – Kaplan
Für den Entwickler waren diese Aussagen der größte „Fuck you Moment“ seiner gesamten Karriere. In diesem Moment entschied sich Kaplan scheinbar für einen Wechsel seines Arbeitgebers. Er beschreibt, dass das Verlassen von Blizzard in ihm etwas zerbrochen hat und er eigentlich bis zu seiner Rente bei dem Studio bleiben wollte. Das Ganze war eine schwere Entscheidung und er hat erst nach Jahren verstanden, wie sehr ihn diese Kündigung belastet hat. Kaplans abschließende Worte betonen, wie wichtig es für Entwickler ist ihren eigenen Wert zu kennen und ihre Arbeit nicht mit unwürdigen Arbeitgebern zu verschwenden.
Auch wenn Kaplan aufgrund seiner vertraglichen Verpflichtungen weder genaue Zahlen noch den Namen des damaligen CFOs nennen darf, so ist zumindest die Identität dieser Person nicht unbedingt schwer herauszufinden. Zwischen 2019 und 2021 fungierte Dennis Durkin als CFO von Activision Blizzard, weshalb Kaplan damals vermutlich mit ihm gesprochen hat. Vermutlich ist es gut für ihn, dass er diesen Posten bereits vor Jahren verlassen hat. Ansonsten würden die Aussagen von Kaplan vermutlich den geballten Frust der Community gegen ihn richten.
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