Am gestrigen Mittwoch gaben EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) und die für die Tech-Souveränität zuständige Vizepräsidentin Henna Virkkunen eine gemeinsame Erklärung ab. In diesem schreiben kündigten die zwei Politiker an, dass die EU mittlerweile eine technisch vollständig funktioniere App zur Altersverifikation ihrer Einwohner erschaffen an. Diese App wurde in den letzten Monaten bereits von mehreren Ländern getestet und mittlerweile an man dem Punkt erreicht, an dem man sie offiziell einführen möchte. Die App soll es Nutzern erlauben, ihr Alter gegenüber Plattformen im Netz zu bestätigen, ohne konkrete persönliche Informationen zu offenbaren.
„Es ist unsere Pflicht, unsere Kinder in der Online-Welt zu schützen, genauso wie wir es in der Offline-Welt machen. Und um dies wirksam zu tun, brauchen wir einen harmonisierten europäischen Ansatz. Mit dieser App können Nutzer ihr Alter nachweisen, wenn sie auf Online-Plattformen zugreifen. Genauso wie Geschäfte einen Altersnachweis verlangen, wenn Menschen dort alkoholische Getränke kaufen.“ Ursula von der Leyen
Technisch fungiert wohl die App für das digitale Covid-Zertifikat als Vorlage für diese neue App. Das Ganze verwendet den sogenannten „Zero-Knowledge-Proof“, der die Korrektheit einer Information beweisen kann, ohne die grundlegenden Daten zu offenbaren. Plattformen erhalten dann nur den Hinweis darauf, dass der jeweilige Nutzer über 18 Jahre alt ist. Auf diese Weise will man den Datenschutz bewahren und Bürger besser beschützen. Die App soll auf Tablets, Smartphones und PCs funktionieren und muss nur einmal mit einem Personalausweis eingerichtet werden.
Der Hintergrund dieser App und der damit verbundenen Alterskontrolle der Bürger ist natürlich auch weiterhin der vorgeschobene Jugendschutz. Die EU-Politiker betonen, dass Jugendliche und Kinder online gemobbt werden, es zu Abhängigkeiten kommt und soziale Medien die Gehirnentwicklung beeinträchtigen könnten. Laut der EU tun die Unternehmen selbst nicht genug, um diese Probleme zu bekämpfen und die Jugendliche von unpassenden Inhalten fernzuhalten. Die App soll ihnen eine simple Lösung bieten und ihnen jegliche Ausreden über Probleme mit der technischen Umsetzung rauben.
Natürlich stammt auch diese App wieder von Leuten, die keine Ahnung darüber haben, wie das Internet funktioniert, wie die meisten Menschen es nutzen und wie sich Jugendliche verhalten. Alterskontrollen im Internet werden das Mobbing nicht beenden und im schlimmsten Fall dafür sorgen, dass 18 Jahre alte Personen einfach die Verifizierung eines Kontos an jüngere Nutzer verkaufen. Das Ganze wird die Situation nicht verbessern und neben weiteren Problemen nur für Frust bei Erwachsenen sorgen. Für mich geht das Ganze wie üblich auf einige Moralapostel zurück, die ihre Sichtweise der breiten Masse aufdrücken wollen. Nebenbei kann man noch Daten sammeln und Nutzer ausspionieren.
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Und ein weiterer Schritt richtung Überwachungsstsaat.
Weil du dem Staat deinen Perso gibst? Ich glaube, der hat den schon…
https://www.youtube.com/watch?v=T8puySBLN_g
recht gut aufgedröselt.
Es ist völlig normal, dass man sein Alter verifizieren muss, wenn man etwas tut was der Jugendschutz untersagt. Das fängt beim Alkoholkauf an und endet…well, eigentlich nirgendwo. Das wiederum im Netz bei genau dieser Kontrolle massiv geschlampt wird, eben weil es Vorbehalte der Nutzer gibt, sich zu verifizieren, ist klar.
Das meine Daten dann im Zweifelsfall bei der EU lagern statt bei einem externen Dienstleister, ist da nicht so verkehrt, wenn es denn funktioniert, wie es soll.
Ob das ganze dann am Ende gegen Mobbing hilft…eher nicht so, schätze ich. Dafür müsste man erstmal das ominöse „Social Media Verbot“ einführen. Aber wenn man glaubt, das tun zu müssen, muss es auch eine Altersverifikation geben – oder glaubt hier irgendwer, Twitter wird auch nur einen Finger rühren, um sich um die Einhaltung zu kümmern?